3. Jubiläumskonzert der Reihe „90 Jahre Steinmeyer-Orgel“

BELLA ITALIA in Remlingen

Am 23. Juni findet in St. Andreas das 3. Jubiläumskonzert der Reihe „90 Jahre Steinmeyer-Orgel“ statt



BELLA ITALIA! Wer denkt da nicht an laue Sommernächte, kulinarische Genüsse wie Pasta und Rotwein und den unsterblichen Zauber der italienischen Oper? Das „Land der Musik“ hat viele Deutsche in seinen Bann gezogen – darunter auch Komponisten wie Bach (der nie in Italien war) und Händel (der bis Neapel kam). Pulsierende Energie und starke Gefühle: diese Kombination macht wohl den Süden für die Deutschen bis heute so attraktiv.

Die musikalische Strahlkraft Italiens präsentiert unter dem Motto „BELLA ITALIA! Musik im Bann des Südens“ am 23. Juni um 18 Uhr in St. Andreas das dritte Remlinger Jubiläumskonzert der Reihe „90 Jahre Steinmeyer-Orgel“. Der vielseitige Würzburger Bariton Stefan W. Römmelt und der europaweit gefragte Organist, Pianist und Dirigent Ulrich Pakusch präsentieren einen bunten Strauß an barocker und romantischer Musik. Die Stücke stammen von Deutschen und von Italienern, Arien für Bariton und Orgel und Kompositionen für Orgel solo wechseln sich ab.

Zu Beginn erklingt auf dem Geburtstagskind ein Zeugnis produktiver Italien-Rezeption im Barock: Johann Sebastian Bachs a-Moll-Konzert BWV 593 nach Vivaldis Konzert op. 3 Nr. 8. „Bach hat in seiner Übertragung mit erstaunlichem Raffinement charakteristische Einzelheiten des Orchesterklangs auf der Orgel wiedergegeben“, sagt Pakusch.

Drei für Bass geschriebene Arien loten die Affekte aus, die typisch für die Musik des Barock sind: Aus Georg Friedrich Händels dramatischem Oratorium „Semele“ HWV 58 erklingt die berückende Arie „Leave me, loathsome light“ des Schlafgotts Somnus. „Ein samtiges Stück“, freut sich Römmelt. Die schwungvolle Aria „Kron und Preis gekrönter Damen“ aus Johann Sebastian Bachs weltlicher Kantate „Tönet Ihr Pauken!“ BWV 214 kennt man eher von ihrer Zweitverwendung aus dem „Weihnachtsoratorium“: als Parodie „Großer Herr, o starker König“. Anklänge an „Die vier Jahreszeiten“ sind in der Gehorsam einfordernden Arie „Se il cor guerriero“ des Titelhelden und römischen Konsuls aus Antonio Vivaldis Oper „Tito Manlio“ RV 738 nicht zu überhören.

La Grande Nation“ grüßt bei dem nächsten Orgel-Solo: In die Romantik entführt Filippo Capoccis heiter-bewegtes „Scherzo“, das stark von der französischen Orgelmusik seiner Zeit beeinflusst ist.

Die zwei folgenden Arien zeigen, wie differenziert der Barock Affekte zu zeichnen wusste: Händels letzte Oper „Deidamia“ HWV 42 entstammt die Aria „Nel riposo e nel contento“ des Licomede – der König der Ägäis-Insel Skyros singt leicht sentimental das Lob des zufriedenen Alters. Völlig anders im Charakter ist der furiose Preis der Unordnung, den der Windgott Aeolus mit der Aria „Wie will ich lustig lachen“ in Bachs weltlicher Kantate „Der zufriedengestellte Aeolus“ BWV 205 anstimmt.

Eine Überraschung: Der Opernkomponist Giacomo Puccini hat auch Orgelmusik komponiert – er war in seiner Jugend zehn Jahre als Kirchenorganist tätig. Zu Puccinis nicht für die Liturgie vorgesehenen Stücken für Orgel gehören die „Sonata in Re maggiore“ und die „Marcia in Sol maggiore“. „Beide Stücke haben hohes Unterhaltungspotenzial“, sagt Ulrich Pakusch.

Zur Unterhaltung, allerdings für ein barockes Publikum, waren auch die zwei folgenden Arien bestimmt: Aus Händels Zauberoper „Orlando“ HWV 31 erklingt die Aria „Tra caligini profonde“, mit der Magier Zoroastro den liebestollen Helden Orlando zur Vernunft ruft. Eine schaurige Drohkulisse für seine ungehorsame Tocher baut Titelheld Tito Manlio mit der Aria „Orribile lo scempio“ in der gleichnamigen Oper Antonio Vivaldis auf. „Nebel, Licht und Schatten bilden starke Kontraste, das ist der Reiz an der Kombination der beiden Arien“, erläutert Stefan W. Römmelt.

Der Spätromantik gehören „Thema und Variationen op. 115“ des international tätigen Konzertorganisten Marco Enrico Bossi an. „Sie bieten die Möglichkeit, die Fülle an unterschiedlichen Klangkombinationen der Remlinger Steinmeyer-Orgel bestens zu präsentieren“, sagt Pakusch. Am Schluss können sich Sänger und Organist noch einmal vereint von ihrer virtuosen Seite zeigen: Die Aria „Lascia Amor“ des Zoroastro aus Händels „Orlando“ plädiert für Kampf – nur so, nicht mit der Liebe kann Orlando Ruhm erwerben. Singt Zoroastro.




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3. Jubiläumskonzert der Reihe „90 Jahre Steinmeyer-Orgel“